Wozu in die Ferne schweifen? Sieh! Das Alpaka ist so nah.

Da war neulich dieser zweiseitige Zeitungsartikel in der hiesigen lokalen Wochenzeitung. Von einem Tag der offenen Tür. Von einem Alpaka-Hof. Mehr braucht Frau Vro nicht.

Ich werde hellhörig und spitze die Ohren. Alpakas!!! Klein Wetzles. Wo bitte soll das sein? Tante Gugl gibt Auskunft. Gar nicht weit weg, aber trotzdem unbekannte Gegend. An besagtem Tag machen wir uns auf den Weg. Wir fahren irgendwo in der Waldviertler Pampa umher und denken uns, jetzt kommen wir ans Ende der Welt. Wenn schon nicht das, dann sieht man zumindest schon gut hin. Die Jungs sind nur mäßig begeistert. Was haben sie mit den wolligen Leidenschaften von ihrer Mutter zu schaffen? Wir sind nicht die einzigen, eine große Wiese dient als Parkplatz. Viele gehen heute durch die offene Tür. Die Neugierde ist groß.

Es ist der optimale Platz für Alpakas. Weites ungestörtes Land. Die Besiedelung ist dünn. Ein riesiges Gehege mit rund dreißig Alpakas in den wunderschönsten Farben von cremeweiß über semmelfarben und braun bis fast schwarz. Alle wurden sie irgendwann im Mai geschoren und tragen ihren Sommerhaarschnitt. Nur die Köpfe sind noch wuschelig. Neugierig schauen die menschlichen Besucher ins Gehege. Neugierig schauen die Alpakas heraus. Wer wundert sich jetzt über wen?

Zahlreiche Jungtiere tummeln sich zwischen den erwachsenen Tieren, werden noch von ihren Müttern gesäugt. Lustig schauen die Alpakas aus. Mit ihren dünnen Hälsen und den Stupsnasen und den Wuschelköpfen. Sie rupfen das Gras kurz und lassen sich nur bedingt ablenken. Viele würden sie gerne streicheln. Aber die Alpakas bleiben auf Abstand. Kommen gerade so nahe, dass die längsten Arme der Besucher sie nicht erreichen. Ich finde das gut so. Bei so einem Besucheransturm müssen einem ja die Sicherungen durchbrennen. Das ganze Jahr nur ruhige Beschaulichkeit und dann das!

Ein Tierhalter ist mit seinem Kamel da und veranstaltet ein Kamelreiten für Kinder. Aufsitzen und eine Runde auf einer Wiese drehen. Immer sicher am Halfter geführt von seinem Besitzer. Viele stellen sich an, löhnen drei Silberlinge. Schwups, sitzt das Kind im Sattel. Mamas, Papas, Omas dürfen nebenher gehen und ein Erinnerungsfoto schießen. Auch mein Älterer will das unbedingt ausprobieren und stellt danach fest, dass der Begriff „Wüstenschiff“ durchaus seine Berechtigung hat.

Hinter uns steht eine Frau an und raunzt so lange, bis der Besitzer aufgibt und sie auch aufs Kamel lässt. Sie ist definitiv kein Kind mehr. Benimmt sich aber wie eine Dreijährige in der Trotzphase. Die Umstehenden sind peinlich berührt und finden ihr Verhalten erbärmlich.

Wir besuchen den neu eröffneten Hofladen. Mir steht nicht der Sinn nach fertigen Alpakadecken, gefilzten Schuheinlagen oder maschinell gesponnener Alpakawolle. Ich will die Rohwolle. Wolle von Alpakas. Die nicht um die halbe Welt geschippert wurde. Wolle aus der Region. Irgendwann erwische ich die Alpaka-Züchterin. Viel sei nicht mehr da. Nur noch die braune Wolle von Fernando und die cremeweiße von Santos mit hellbraunen Einschlägen. In meinen Fingern kribbelt es. Ich tauche meine Hände in die wunderschönen langen Locken. Ja, bitte. Will ich haben. Ein halbes Kilo ist jetzt mein. Die erste Wolle von Santos überhaupt.

Nächsten April oder Mai werden die Tiere wieder geschoren. Sollte ich dann Wolle haben wollen, brauche ich mich nur rechtzeitig melden. Jetzt kenne ich den Weg ja schon.

Bei der erstbesten Gelegenheit sitze ich mit Santos beim Spinnrad. Die Fasern sind gute zehn Zentimeter lang und lassen sich toll verspinnen. Nur der Staub kitzelt mich im Hals. Beim Spinnen fällt der feine Mist auf meine Beine runter. Ich bewege mich nur wenig, damit ich nicht zu viel davon aufwirble. Eine gute Handvoll verspinne ich, danach zwirnen und von der Spule wickeln. In warmem Seifenwasser baden und den Staub auswaschen. Sechs Gramm. Fünfundzwanzig Meter. Ein erster Probestrang. Nicht ganz so dünn wie Lace-Garn, aber auch nicht so dick wie 4-fädige Sockenwolle. Mit meinen 500 Gramm ergibt das ein riesiges Tuch. Irgendwann. Wenn ich es dann erst mal versponnen und gezwirnt und gewaschen habe.

Wer mehr über den Alpaka-Hof wissen will, macht sich am besten hier schlau. Und jetzt gehe ich wieder zu Santos und meinem Spinnrad …





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2 Gedanken zu “Wozu in die Ferne schweifen? Sieh! Das Alpaka ist so nah.

  1. Wunderschönes Garn! – Ich kenn übrigens einen Alpakahengst, der sich gerne am Hals kraulen lässt. Er lebt mit ein paar Lamas zusammen und geht regelmäßig mit seinen Besitzern spazieren. Manche nennen das Lama-Trekking.;-) Ich find die Lamas einfach nur zum Piepen mit ihren lustigen Gesichtsausdrücken. Dem Alpaka kann ich übrigens geradenwegs in seine großen, dunklen Augen schauen. Irgendwann möcht ich auch mit ihm spazieren gehen.

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