Ein Stricktreffen, höhere Gewalt und Tzatziki.

 

 

Letzten Freitag war Frau Vro ganz auf einen gemütlichen Ferientag eingestellt. Entspannt und ungehetzt produktiv. Ich wollte im Haus und im Garten herumkramen. Die Kinder gingen ihren Lieblingsbeschäftigungen nach. Und dann kam alles ganz anders. Und jetzt eins nach dem anderen …

Den morgendlichen Kaffee trinke ich beim Computer. Mails schauen, Blog aktualisieren, Ideen zu Geschichten formen, mich ein bisserl quer durchlesen. Alles sehr relaxed, bevor es ans Tagesprogramm geht. Da brummt das Handy. Meine WhatsApp-Nachrichten treffen unaufdringlich leise ein. Ahhhh! Martina.

Und dann geht alles Schlag auf Schlag. Es ist ein heißer Tag. Ob wir Lust auf ein Stricktreffen am Kamp haben? Ja, sicher! Ich auf jeden Fall. Aber ich frage besser die Jungs. Wenn die nicht wollen, wird das fad und anstrengend. Aber meine zwei hören nur, wer sonst noch kommen wird und sind dabei. Fein. Ich schreibe zurück und straffe das haushalterische Programm. Suche die Badesachen zusammen und mein Strickprojekt. Koche das Mittagessen. Sobald der Mann abgefüttert ist und wieder in die Arbeit aufbricht, fahren wir los. Dann packe ich alles ins Auto, Kinder dazu. (Nein, keine zehn Säcke Gartenerde, keine Schaufel und den Hund auch nicht.) Tanken wollte ich noch. Es sollte noch für 160 Kilometer reichen. Also vergeude ich nicht noch mehr Zeit mit Tanken. Das geht sich aus.

Von hinten der Jüngere aus den billigen Reihen: „Mama, wie schnell fährst du? Darfst du das?“

Neben mir der Ältere rückt die verspiegelten Sonnenbrillen zurecht und dreht das Radio auf.

Wir blicken skeptisch gen Himmel. Es ist gewittrig schwül. Die Wolken schauen aus, als wollten sie jeden Moment herunterfallen. Dann sind wir da. Martina mit ihrer Tochter, Alex mit ihrer Tochter und ich mit den beiden Jungs. Die Kinder wollen ins Freibad neben dem Kamp. Da fallen die ersten Regentropfen.
„Ach was, da hinten ist es ein bisschen blau.“
Jetzt fallen schon mehr Regentropfen. Was tun?
Wir warten unschlüssig im überdachten Eingangsbereich.
Jetzt geht es so richtig los. Weltuntergangsstimmung. Keine Arche in Sicht!

„Wer von euch hat dieses Wetter mitgebracht?“

Wir können weder rein ins Bad noch raus zu den Autos. Es schüttet aus allen Kübeln. Es rauscht in den Regenrinnen. Die Tropfen trommeln laut aufs Dach. Man versteht kaum sein eigenes Wort. Die Kinder gehen sich umziehen. Für sie ist klar, dass wir da bleiben.

Wir brauchen Nervennahrung. Es findet sich ein Packerl Chips.

Ich bin total erheitert. Martina nur bedingt. Alex nimmt es, wie es kommt. Wir warten zwanzig Minuten. Die anderen Badegäste ergreifen die Flucht. Das Freibad ist praktisch leer. Nur ein Badegast mit seinem Sohn bleibt.

Dann reißt der Himmel auf und die Sonne kommt hervor. Das Badbuffet hat noch geöffnet. Wir sitzen auf der überdachten Terrasse im Trockenen. Man könnte meinen, wir hätten einen direkten Draht nach oben. Und dass Petrus das Freibad räumt, wenn die Hoheiten die Bühne betreten. Womöglich ist es aber auch nur höhere Gewalt und wir haben den längeren Atem und sitzen den Gewitterregen einfach aus.

Die Kinder gehen sofort ins Wasser, sie brauchen aber noch ein bisschen mit der Annäherung. Die Jungs plantschen in der einen Ecke des Beckens. Die Mädels in der am weitesten entfernten anderen Ecke. Was sicher nicht Absicht war, hat sich eher so ergeben. Im Laufe der Zeit wird der Abstand kleiner, bis sie miteinander schwimmen und spielen. Ich finde das lustig zum Beobachten. Und spannend. Ich nutze das leere Becken und ziehe zwischen den Jungs in der einen und den Mädels in der anderen Ecke meine Bahnen. Ein leeres Sportbecken ist für mich der totale Luxus. Das Wasser ist gut temperiert, der Regenschütter hat die Luft rein gewaschen.

Wir Mamas tratschen. Noch ist kein Strickprojekt ausgepackt. Wir holen uns ein Eis. Ich packe meine Fressalien aus. Wer rechnet auch mit einem Badbuffet? Zitronenkekse. Chips und Salzkräcker. Und Tzatziki. Böse mit Knoblauch. Upsi. Martina hat später eine Chorprobe. Ob sie dann ein knofeliges Solo singen muss? Vielleicht wird sich noch an mich denken. Später dann. Jetzt ruft der knofelige Gurkengatsch Begeisterung hervor und ist in kürzester Zeit aufgedippt.

Irgendwann holen wir das Strickzeug dann doch hervor. Weil es ja ein Stricktreffen ist. Zwei Reihen stricke ich. Halte mich an den Nadeln an. Alibihalber. Manchmal kommen die Kinder. Meistens wollen sie etwas zu essen. Es wird viel zu bald Abend. Wir packen zusammen. Es purzeln immer noch so viele Worte aus unseren Mündern. Aber Martina hat einen Termin und ich ebenso. Trotzdem muss ich noch schnell mit zu ihr. Soviel Zeit muss sein! Da war diese wunderschöne dunkelrote Wolle bei ihr im Regal. Yak/Seide. Wieder einmal. Die Jungs schnappen nach Luft, als sie hören, wieviel die drei Stränge gekostet haben. Ich werde mein Woll-Sparschwein schlachten müssen.

Wir fahren glücklich und zufrieden nach Hause. Spontane Unternehmungen sind die allerbesten!

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