Keine Sternschnuppe. Aber trotzdem Glück.

Ich habe am Abend noch schnell die Waschmaschine gestartet. Dann ist es 22h, die Maschine fertig und ich hänge sie im Garten auf die Wäscheleine. Das Licht ist spärlich. Ich sehe nicht wirklich etwas und taste mehr nach den Wäscheklammern, Geschirrtüchern und Konsorten. Nur das Terrassenlicht hinter mir leuchtet und wirft lange Schatten. Die Wäsche an der Leine schirmt auch dieses Licht ab und die Sträucher dahinter versinken in Finsternis.

Ich sehe mit jedem Blick in den Himmel mehr Sterne. Es ist ein wunderbar milder Abend. Als es plötzlich unter den Sträuchern zwischen den Funkien grunzt und knurrt.
Darauf folgt ein empörtes Fauchen. Es raschelt ganz heftig zwischen den Blättern. Kurz halte ich inne. Horche. Dieses Geräusch kenne ich. Das Fauchen entfernt sich. Nachbars Katze ergreift die Flucht vor was auch immer. Das schnaufende Knurren hält noch ein wenig an. Woher kenne ich dieses Geräusch?

Plötzlich fällt es mir wieder ein. Vor vielen Jahren auf meinem frühmorgendlichen Weg zum Pendlerbus habe ich das schon einmal gehört und damals galt das Knurren mir. Da kreuzte ein riesiger alter Igel meinen Weg. Und er war überhaupt nicht erfreut über die Störung. Überhaupt nicht.

Ich lasse die Wäsche Wäsche sein und hole mir die große Taschenlampe aus der Werkstatt. Die Kamera muss auch her. Schnell jetzt! Sonst finde ich den Igel nicht mehr. Als ich wiederkomme und die Strauchreihe ableuchte, sehe ich natürlich nichts mehr. Hoffentlich schaut keiner der Nachbarn. Die müssen mich für total deppert halten, wie ich da mit der großen Taschenlampe im Pyjama im Garten hin und her stolpere. Reicht ja eigentlich schon, wenn ich im Dunklen die nasse Wäsche draußen aufhänge. So gesehen sind meine Nachbarn eh viel gewöhnt.

Resigniert will ich reingehen, da raschelt es wieder. Er ist noch da! Ich habe die Empfindlichkeit meiner Kamera voll raufgedreht. Trotzdem bin ich skeptisch, ob ich ein brauchbares Foto von meinem Gast bekomme. Die Taschenlampe ist aus, ich gehe nach Gehör und folge dem Rascheln. Pfuh, ganz schön laut. Dem ist wirklich alles egal. Raschelt. Grunzt. Wühlt sich durch die Blätter. Ich bin ganz glücklich, weil ich seit Jahren keinen Igel mehr gesehen habe. Und jetzt ist sogar einer in meinem Garten.

Da! Er ist jetzt ganz nah. Ich bringe die Taschenlampe in Position und leuchte seitlich vom Geräusch. Da ist er. Ein junger Igel. Vielleicht zwanzig Zentimeter groß. Er erstarrt, als es hell wird, blickt mich mit schwarzen Knopfaugen an. Ich höre ihn atmen, bin kaum einen Meter entfernt. Ich knipse eine Reihe Fotos und drehe die Lampe ab. Ich mag ihn nicht allzu lange stören. Wahrscheinlich trippelt er immer noch durch den Garten. Ich hätte ihn gern besser gesehen und länger beobachtet. Ob er wohl Nacktschnecken frisst? Ich wage es kaum zu hoffen. Aber mir wäre wunderbar geholfen. Ich bin ein glücklicher Mensch. Gestern die Hornissen. Okay, da gab es einen etwas unglücklichen Erstkontakt, aber ich freue mich trotzdem. Und jetzt ein Igel.

Ich muss irgendwo im Garten unter den Sträuchern einen Haufen Reisig aufschlichten. Vielleicht mag er über den Winter hier bleiben.

Suchbild: Wer findet meinen nächtlichen Besucher?
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2 Gedanken zu “Keine Sternschnuppe. Aber trotzdem Glück.

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