Schwesterliche Mitbringsel und nicht vorhersehbare Folgen.


Rosalind – mein kleiner dienstbarer Geist – freut sich. Ich habe vom Besuch bei meiner Schwester nicht nur Gemüse mitgebracht, sondern auch eine Kletterrose, eine Taglilie und eine Funkie. Sie springt vergnügt davon und holt schon mal die Schaufel.

Die Brautspiere (Spirea x vanhouttei) neben dem Gartentor muss weichen. Ich mag sie nicht mehr. Sie passt irgendwie nicht mehr hier herein. Und zu mir auch nicht.
Wild gräbt Rosalind herum, gemeinsam wuchten wir den Wurzelstock heraus und hieven das Monstrum in die Scheibtruhe.
Dann pflanze ich die stark beschnittene Kletterrose und gleich dazu die anderen beiden Pflanzen. Als ich ordentlich gieße, sehe ich den Giersch wuchern. Das geht so nicht! Na, dann muss das auch weg. Ich zupfe und rupfe, bis diese kurze Rabatte ent-unkrautet ist. Jetzt stören die verblühten Beetrosen, dann die trockenen Blütenstängel der Taglilien. Ich greife zur Gartenschere. Alles fliegt hinter mich auf den Gehweg. Meter um Meter arbeite ich mich vorwärts. Wollte ich nicht ursprünglich etwas ganz Anderes machen?
Die Brautspiere habe ich einer Freundin versprochen. Da muss doch noch mehr sein, was ich teilen kann. Die Scheibtruhe füllt sich mit Taglilien, Funkien und sonstigen grünen Haustieren.
Ausgerissene Unkräuter (Beikräuter! Ja, ich weiß, wie es politisch korrekt heißen soll!), gestutzte Sträucher, zurückgeschnittene Stauden zeugen von meinem Streifzug durch den Garten. Es soll regnen, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Sonne kommt hervor. Mir ist heiß. Rosalind schnauft vor Anstrengung. Sie macht eine entnervte Handbewegung und sich selbst vom Acker. Sie hat genug von meinem Wahnsinn. Ich rausche wie ein Hurrikan durch den Garten.
Beim Holunder überkommt es mich endgültig und ich beschneide ihn wie irre, weil er so weit in den Garten  hängt. Ein Blick nach hinten lässt jetzt sogar mich schaudern. Haufenweise Äste und gerupfte Stängel und Blätter. Ich bremse meinen Tatendrang und beginne, Ordnung zu machen. Zwei große Tröge mit zu verschenkenden Pflanzen stehen da. Die sollten schon bald wieder in den Boden gepflanzt werden. Bevor sie total schlapp machen. Ich räume mein Chaos weg, sitze zufrieden im Gartensessel und telefoniere.

Ganz spontan habe ich beschlossen, dass der Nachmittag eine gute Zeit ist, um meine Freundin zu besuchen.




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