Frau Vro lobt sich selber.

Wo doch allgemein bekannt ist, dass Eigenlob stinkt. Ist mir aber egal. Ich lobe mich trotzdem selber. Weil es sonst auch keiner macht. Was total ungerecht ist.
Als Baby wird man für alles Mögliche gelobt. Fürs Bäuerchen. Für einen Pupser. Für das kleinste gutturale Glucksen. Als Baby hat man es fein. Egal, was man macht, es ist immer super.
Mit der Zeit wird das weniger. Das Kleinkind wird fürs Geschäft ins Töpfchen gelobt – aber auch nur die ersten paar Mal. Oder für die ersten geschriebenen Buchstaben noch vor der Schule. Immer und überall soll gelobt werden, weil das die Kinder bestärkt.
Das geht soweit, dass meine Kinder über-drüber-gelobt werden wollen, wenn sie mir den Tisch decken oder den Mist raustragen. Mit zwölf und acht sind sie leider schon in einem Alter, wo nicht mehr für alles gelobt wird. Der Jüngere ist gerade in der schwierigen Phase, dass laut rülpsen und furzen nicht mehr so erwünscht ist. Er ist beleidigt, weil er das ungemein lustig findet. Ich verweigere ihnen auch das Lob für Mithilfe im Haushalt. Das ist keine außergewöhnliche Tätigkeit, ich finde, das darf ich einfordern. Obwohl ich sie natürlich dafür lobe, wenn sie besonders fleißig waren.
Und dann ist das mit dem Lob auf einmal vorbei. Plötzlich sagt keiner mehr was zu einem. Weil man ja auf einmal erwachsen ist. Ab jetzt heißt das Motivation und ist eine Eigenschaft, die man sich mehr oder minder mühsam erarbeiten muss.
Ich habe voriges Jahr ein Motivationsseminar besucht. War im Kursangebot meiner Firma. Ich wollte einfach wissen, ob ich was noch nicht kenne. Mit der Motivation habe ich für gewöhnlich keine großen Schwierigkeiten. Nette Techniken haben wir kennen gelernt. Aber leider ist nichts davon hängen geblieben. Ich kann mich gerade gar nicht mehr daran erinnern. Nur noch daran, dass der ebenfalls teilnehmende Kollege und ich ermahnt wurden, nicht immer zu tratschen. Dass die Kursleiterin leider kein mitreißendes Temperament hatte. Und dass wir – also sie und ich – auf keinen grünen Zweig kamen, weil ich meinte, ich könne mir nicht jede Situation schön reden. Manche Tage seien nun mal bescheiden. Und sie daraufhin meinte, ich sei zu negativ. Ich dürfe mich auch freuen und mir etwas gönnen. Okay, ab da war ich dann mit ihr fertig. Darüber weiter zu diskutieren war mir zu blöd. Ich habe mich in missbilligendes Schweigen gehüllt. Soviel also zur Motivation.
Deshalb lobe ich mich jetzt selber. Ob das jetzt stinkt oder nicht, ist mir ziemlich egal. Ich lobe mich und ich belohne mich. Basta.
Gestern habe ich mich zum Beispiel mit einem Stück Torte und einer eineinhalbstündigen Lesepause belohnt. Weil ich beim Zahnarzt wieder ein bisschen tapfer sein musste. Weil ich Unmengen von Wäsche gewaschen habe. Und die Ribisel entsaftet und eingekocht. Sogar mit dem Staubsauger bin ich eine Runde durchs Haus geflogen.
Ich belohne mich selber, weil nie jemand daherkommt und sagt: „Ich bin so froh, dass du den Laden hier so toll schupfst!“ Oder: „So wie du das alles organisierst und machst, das ist perfekt!“
Also macht das Frau Vro selber. Ich bügle, wasche, koche, erziehe, arbeite. Dann: „Wow, warst du heute fleißig!“ Danach lehne ich mich zurück und mache eine Pause.
Sollte ich ein Bäuerchen machen müssen, mache ich das im Verborgenen. Weil aus dieser lobenswerten Phase bin ich leider schon lange herausgewachsen.




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