Das Waldviertel ist bunt.

Neulich habe ich den Sommer wieder getroffen. Irgendwann mal habe ich euch davon erzählt, wie meine Muse und ich die Frühlingsfee besucht haben. Inzwischen ist viel Zeit vergangen und der Sommer, von dem ich nicht wusste, ob er ein Bub oder ein Mäderl ist, hat sich zu einem feschen jungen Mann entwickelt. Aber holla! Der kann zupacken. Allerdings kommt er mir ein wenig sensibel und nah am Wasser gebaut vor. Das werdet ihr selber auch schon gemerkt haben. Dauernd flennt er los und schon regnet es wieder. Ich weiß nicht, warum er so eine Mimose ist.

Meine Muse ist trotzdem hin und weg und völlig in ihn verschossen. Vielleicht bin ich deshalb so einfallslos, weil sie in ihrer blinden Verliebtheit mehr draußen herum rennt und den Sommer sucht, als dass sie hier bei mir ihren Pflichten nachkommt. Meine Muse sagt, der Sommer braucht jemanden, der ihn liebt, so wie er ist. Er fühlt sich unverstanden. Er hat genug von den ewig gleichen Erwartungen, dass er heiß und sonnig zu sein hat. Außerdem wären wir ja selbst dann nicht zufrieden. Die einen verkriechen sich dann in ihren Kellern, weil es zu heiß sei. Die anderen schimpfen über die Gelsen oder die Wespen. Die Muse meint ja, er sei knapp vor einem Burn out. Was mich laut auflachen lässt. Weil ausgebrannt kann der Sommer in diesem Jahr echt noch nicht sein. Jedenfalls im Waldviertel nicht. Was er anderswo so treibt, weiß ich nicht. Ich habe ja eher das Gefühl, dass mir hier langsam Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen. Die Muse zieht die Stirn in Falten und sieht mich böse an, weil ich so unsensibel bin. Der Sommer sei ein Künstler, zischt sie überheblich, wirft das Haar zurück, streckt die Nase in die Höhe und stakst davon. Na bitte. Ich stelle fest, dass meine Muse und der Herr Sommer offenbar gar nicht so schlecht zusammenpassen.

Wie dem auch sei. Ein paar wundervoll sonnige heiße Tage hat er trotzdem schon gehabt, der Sommer. Und dann ist er fleißig und kreativ. Das muss man ihm lassen. Dann wird das Waldviertel bunt wie ich sonst kaum eine Landschaft kenne. Feld reiht sich an Feld in den schönsten Farben. Der rotblühende Mohn neben dem lila-blühenden Bienenfreund. Die bereits goldgelb reifende Wintergerste neben dem noch graugrünen Hafer. Die weißblühenden Erdäpfel neben milchkaffee-braun reifendem Raps. Im Hintergrund immer wieder die dunkelgrünen Wälder und dazu ein tiefblauer Himmel mit sich auftürmenden Wolken, die aussehen, als wären sie wattiert und aufgestickt. Auf den Verkehrsinseln blühen die gelben Taglilien, in den Roggenfeldern blaue Kornblumen und weiße Kamillenblüten. Es braucht dazu nur einen Platz in der Höhe, um weit übers Land sehen zu können, dann sieht man einen wunderbar farbigen Fleckerlteppich in seiner ganzen vergänglichen Pracht. Hin und wieder glitzert es silbern dazwischen, wenn sich die Sonne in einem der Fischteiche spiegelt. Nur ein paar Wochen später kleidet sich der Sommer wieder in Grün und Ocker, alle möglichen Schattierungen und Nuancen von Grün und Ocker.


Oh ja, denke ich mir, der Sommer kann schon was. Nur schade, dass er heuer so nass ist. Vielleicht kann meine Muse das ändern. Dass er weniger weinen muss. Und sein heißes sonniges Temperament öfter zeigen kann.








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