Brot und Spiele.

Frau Vro ist ein Sammler. Das hatten wir ja schon. Vielleicht erinnert ihr euch.

Ich liebe Spiele. Brettspiele. Kartenspiele. Das hat auch Sammlerzüge angenommen…

Ich habe eine derartige Sammlung an Spielen, dass man annehmen müsste, wir würden immer nur rund um den Tisch versammelt sitzen und miteinander spielen. Dass Fernseher, Handy, Nintendo und dgl keinerlei Bedeutung hätten.

Ich kann es gleich vorwegnehmen. Dem ist nicht so.

Ich liebe meine Spielesammlung und wir haben durchaus ein paar Spiele, die wir öfters und immer wieder gerne spielen. Der Großteil liegt im Regal und braucht nur eines zu sein: schön!

Wobei ich feststellen muss, dass ich schon bedeutend zurückhaltender geworden bin beim Einkaufen. Ich hatte eine besonders ausgeprägte Brettspielphase während meiner Zeit in Wien. Ich habe die Rezensionen im Internet gelesen. Die Spielemessen in Essen und Leizig aufgeregt mitverfolgt. Auf die Neuheiten gewartet. Ewig nach- und quergelesen. Nur um dann auf die Mariahilfer Straße zu pilgern und mir ein paar neue Spiele zu besorgen. Ich habe sogar mehrmals zu Spielabenden eingeladen. Was immer sehr lustig war. So ein Gesellschaftsspiel bringt vielfältige Charaktereigenschaften zum Vorschein.

Am allerschönsten ist das Auspacken. Wenn ich die Spielsteine das erste Mal in die Hand nehme. Oder das Kartenmaterial aus den Stanzbögen löse – schön vorsichtig, dass nur ja nirgendwo etwas einreißt. Auch neue Spiele haben ihren ganz eigenen besonderen, neuen Geruch. So wie Bücher. Oder neue Autos.

Es kann schon mal vorkommen, dass ich ein Spiel zum Verschenken kaufe und es dann selber auspacke. (Ich muss ja überprüfen, ob alles da ist!)

Verschenken kann ich es ja trotzdem noch.

Natürlich haben wir in der Familie unsere Favoriten. Noch muss es relativ flott gehen. Für Strategiespiele ist es noch zu früh. Lange Erklärungen sind der Tod für ein Spiel, dann machen sich die Kinder genervt davon und ich packe das Material desillusioniert wieder weg.

UNO ist ein Dauerrenner, das geht immer.

Carcassonne lieben wir heiß und innig. Nur spielen wir es nicht 100%ig nach den Regeln. Zuerst, weil meine Kinder noch zu klein waren. Jetzt, weil wir vor allem das Gesamtbild mit den Städten und Wiesen und Wegen lieben, wie es wächst und wie es aussieht. Und auch, weil ich meistens die Kinder gewinnen lasse. Obwohl ich es genausowenig vertrage, wenn ich ständig Letzte bin.

Die Siedler von Catan spielen wir auch gerne. Manchmal allerdings verdrießt es mich unglaublich, wenn ich nichts weiterbringe Weil ich meine ersten Siedlungen falsch gesetzt habe. Weil ich keine Rohstoffeinkommen habe. Dann muss ich manchmal den Räuber doch dorthin versetzen, wo die anderen ständig Unmengen abkassieren. Weil ich sonst vor lauter Frust nämlich alles hinschmeiße. Und weil es wirklich überhaupt nicht gut rüber kommt, wenn ich mir Zornestränen wegblinzeln muss. Ja leider. Ich bin nicht so gelassen, wie ich es gerne wäre. Dann stehe ich auf und hole mir was zu trinken oder muss angeblich aufs Klo. Jedenfalls muss ich mich kurz aus dem Geschehen nehmen. Deshalb habe ich auch ein gewisses Verständnis für die Kinder, wenn sie enttäuscht zu heulen beginnen. Doch, das habe ich. Aber ich will ihnen nicht die harte grausame Wahrheit sagen. Dass das nämlich niemals endet. Verlieren schmerzt immer!

Von den Siedlern besitze ich auch die erste Ausgabe für zwei Spieler. Mit allen Erweiterungen. Das habe ich eine Zeitlang mit meiner Schwester gespielt. So oft, dass die Karten schon ganz abgegriffen sind. Vielleicht sollten wir es wieder einmal versuchen.
Warum haben wir eigentlich aufgehört?

Ich habe da eine dumpfe Erinnerung an viele verlorene Spiele. Ich fürchte, ich bin einfach nicht vorausschauend genug. Und mein Würfelglück ist auch nicht besonders ausgeprägt.

Mein Jüngerer sagt schon im Vorfeld: „Es geht nicht ums Gewinnen. Es geht nur ums Spielen!“
Schöner Selbstbetrug. Wehe, wenn er dann so gar nicht gewinnt.

Eines meiner absoluten Lieblingsspiele ist übrigens Jenga. Holzsteine stapeln. Unten wegziehen und oben drauflegen. Der Turm wird höher und höher. Gleichzeitig immer wackeliger. Die Aufregung steigert sich. Irgendwann kippt der Turm und man sieht ihn wie in Zeitlupe zusammenbrechen. Es poltert unglaublich.
Besonders effektvoll, wenn der Abend schon fortgeschritten und der Alkoholkonsum entsprechend hoch. Da sind die Kinder dann nicht mehr dabei.

Wo jetzt das Brot bleibt? Wo doch der Titel Brot und Spiele verspricht?

Spieleabende hatten wir schon lange keinen mehr. Normalerweise sind Besuche selten. Da packen wir kein Brettspiel aus, sondern gehen gleich über zur Jause oder Kaffee und Kuchen. Da ist meistens so viel zu bereden und plaudern, dass ein Spiel bestenfalls ein wohlgemeinter Vorsatz war.

Derzeit gibt es also eher Brot als Spiele. Und wenn dann doch einmal ein gemeinsames Spiel folgt, dann braucht es auf jeden Fall Brot/Schokolade für den Verlierer.

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2 Gedanken zu “Brot und Spiele.

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