Ideenfundus.

Ich fahre seit einigen Jahren einmal monatlich zu einem Stricktreffen.

Jedenfalls dann, wenn es optimal läuft. Denn es gibt immer wieder widrige Umstände. Manchmal ist eines der Kinder krank. Oder ich selber. Oder es gibt Familienfeierlichkeiten. Oder das Wetter ist derartig unwirtlich, dass ich lieber auf das Treffen verzichte. Im Waldviertel kann es im Winter schon mal ungemütlich werden mit Eisregen und Co. Dann fahre ich nicht 80 km zu meinem Stricktreffen.

80 Kilometer? Warum? Ja, das ist so eine Frage.

Zuerst einmal bin ich seit langem in dieser Strickcommunity. Manche sagen sogar Strick-Facebook dazu. Ravelry ist eine Wahnsinns-Seite für Strick- und Häkelbegeisterte. Das allein wäre schon einen eigenen Beitrag wert. Jedenfalls habe ich da im Laufe der Zeit eine nette Runde kennengelernt. Irgendwann haben wir die Stricktreffen in unserer Landeshauptstadt ins Leben gerufen. Natürlich gäbe es auch Stricktreffen in der Stadt, in der ich lebe. Aber irgendwie bin ich da nie so reingewachsen. Dafür sind mir die Mädels aus dem Internet umso mehr ans Herz gewachsen.

Ich lasse die monatlichen Treffen nur ungern vorbeigehen, ohne selbst dabei gewesen zu sein. Das ist mittlerweile mein halber freier Urlaubstag von Familie und Haushalt. Einmal im Monat. Das wird doch wohl möglich sein. Anfangs bekam ich irritierte Blicke, warum ich da so weit weg fahre nur zum Stricken.
Zum Stricken? Echt jetzt? Zum Stricken???

Ja echt jetzt, zum Stricken. Ich habe auch das Spinnrad schon mitgehabt. Wir sitzen im Café, tauschen uns aus, dealen mit Wolle und natürlich mit Ideen. Es sind Färber unter uns, Spinnerinnen und Stricker und Häkler. Strickwerke werden vorgeführt, befühlt und bekuschelt. Seide und Wolle und was weiß ich noch. Ahs und Ohs.

Dumm nur, dass wir in den Sommermonaten keine fixe Bleibe haben, da hat das Café geschlossen. So sind wir quasi auf Herbergsuche. Einmal besuchen wir Ingrid. Das ist schon bald eine liebe Tradition. Sie hat ihren eigenen kleinen Woll-Laden. Und sie hat einen Bruder mit seiner Gärtnerei gleich nebenan. Sehr böse ist das. Wenn also das Taglilienfest in der Gärtnerei ist, dürfen wir zu Ingrid.
Wieder Kuchen. Wieder Kaffee. Ein Glaserl Wein. Und natürlich Wolle Wolle Wolle.

Ein andermal dürfen wir bei Martina unterschlüpfen. Diesmal brauche ich nicht so weit weg fahren. Nach 40 Minuten bin ich im Woll-Land. Bei Martina ist es irgendwie nie so eindeutig, was das eigentlich ist. Ob das gemeinsame Stricken womöglich nur vorgeschoben ist und wir vor allem schlemmen. Da gibt es immer so viele Köstlichkeiten, weil jeder etwas mitnimmt.

Bei wem wir auch sind – alle beide färben sie. Und das ist immer wieder so inspirierend. Sicher kann ich mir alles aus Büchern anlesen. Aber der direkte Erfahrungsaustausch taugt mir einfach.

Letztens zeigt uns Ingrid also ihre neuesten Werke. Sie macht gerade Experimente mit Blättern auf Stoff. Schaut sehr cool aus. Ich bräuchte Eisen und Alaun zum Beizen – habe ich daheim. Rote Blätter – Bluthasel, Blutahorn, Blutpflaume. Beim Spazierengehen sehe ich nur noch rote Blätter. Ich bin ja ordentlich angeimpft worden. Leinen oder Baumwolle bräuchte ich noch. Hmmm. Beim Umräumen der Sommer- und Wintersachen sortiere ich zufälligerweise eine alte weiße Damastbettwäsche aus, die ich einmal auf einem Flohmarkt gefunden habe. Flohmärkte sind für solche Dinge perfekt. Nähen kann ich selber auch. Jetzt brauche ich noch ein bisschen Zeit zum Experimentieren.

Natürlich sprechen wir bei unseren Treffen auch über die normalen Alltagsthemen. Kinder. Arbeit. Haushalt. Die Ehemänner. Aber ehrlich – die Ehemänner werden weniger ausgerichtet, als diese glauben wollen. Nein, so wichtig müssen sie sich nicht nehmen. Was mir daran so besonders gut gefällt, das sind die vielen Geschichten und die Sichtweisen verschiedener Menschen und Generationen. Es kann schon mal sein, dass ich mir denke, dass ich eigentlich gelassener sein kann. Oder dass da noch eine Menge auf mich zukommt. Huch.

Stricktreffen – das klingt total antiquiert und angestaubt. In Wirklichkeit ist es aber eine Fundgrube für neue Ideen. Neue Inspiration. Neue Wege, was noch gehen könnte. Was ich noch ausprobieren könnte. Es ist ein bisschen, wie wenn mich die Muse küsst, bevor ich zu schreiben beginne.

Dieses Mal heißt die Muse Brigitte, die vorschlug, ich könnte ja mal über uns schreiben, die wir da an der Nadel hängen.  Geküsst hat sie mich nicht, aber inspiriert sehr wohl. Danke!

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