Calexico.

Ich durchstöbere mehr oder weniger zufällig meine umfangreiche Musikdatenbank. So umfangreich, dass ich gar nicht mehr genau weiß, was alles drinnen ist.

Frau Vro ist nämlich eine Sammlerin.

Ich begebe mich auf Schatzsuche.

Heute habe ich Calexico (wieder)entdeckt. Mein Freund A. hat diese Band auf Facebook zu seinen Musikfavoriten hinzugefügt. Ich habe noch nie zuvor davon gehört.

Natürlich bin ich neugierig. Natürlich habe ich reingehört.

YouTube ist ein grandioses Werkzeug. Ein paar Klicks und schon weiß ich mehr.

Tja. Naja. Schräg irgendwie.
Aber schön. Schön schräg. Schräg schön. Irgendwie.
Passt zu ihm. Aber zu mir?
Doch. Schon. Irgendwie.
Also wandert ein Album in meine Sammlung.
Ehrlich?
Nein, nicht ganz. Ich war nicht ehrlich.
Es waren vier Alben. Vier!

Ich sagte ja schon: Frau Vro ist eine Sammlerin!

Das ist jetzt ungefähr drei Jahre her, vielleicht vier. Oft gehört habe ich diese Musik seitdem aber nicht.
Hauptsache ich hatte sie in der Datenbank.

Sammlerin! Sage ich ja. Seht ihr mich verlegen grinsend die Schultern hochziehen?

Mein Freund A. hat zuerst seine Musikfavoriten gelöscht und irgendwann seinen FB-Account. Er ist am Telefon nicht mehr zu erreichen und beantwortet keine Mails. Oder er tut dies in fast unhöflich kurz angebundener Art und Weise. Nun, das ist so! Jeder gibt immer nur soviel, wie er gerade dazu imstande ist.

Ich habe ihn aus den Augen verloren.
Er hat mich aus den Augen verloren.

Calexico ist geblieben.

Vor ein paar Monaten hat sich der eine oder andere Titel in meine Hitliste fürs Autoradio geschlichen.
Mittlerweile höre ich ganze Alben rauf und runter. Neun sind es jetzt schon.

Es hat sich nichts geändert – Frau Vro ist eine Sammlerin!

Die mexikanischen Mariachi-Rhythmen bringen meine Zellen ins Schwingen. Alle anderen musischen Einflüsse ebenso. Es ist eine wilde Mischung von allem und nichts. Meistens verstehe ich kein Wort,  was mir egal ist. Es geht mir ohnehin mehr um das Gefühl und den Rhythmus. Mal laut und raumfüllend, meistens aber unauffällig leise im Hintergrund. Das sanft Melancholische mag ich ganz besonders. Es lässt meine Gedanken ruhig und unaufgeregt dahin driften.

Die Musik malt Bilder in meinem Kopf.

Bilder von Gebirgen, Spukgebilden gleich über der Wüste aufragend. Bilder von einem roten Land. Von der Grenze zu Mexiko. Bilder von Schnee, der wie Puderzucker die hohen Saguaro-Kakteen überstäubt. Bevor die gleißend grelle Sonne jedes bisschen Nass wieder gierig aufsaugt. Bilder von der heißen Wüste Arizonas mit ihren knochentrockenen Böden. Wenn die Luft kocht. Und der trockene Wüstenwind verdorrte Büsche über die staubige Ebene bläst.

Ich denke an Tombstone und Wyatt Earp und Doc Holliday. Und an John Wayne.

Dann taucht manchmal mein Freund A. im Bild auf. Geht lässig und entspannt mit langen Schritten dem Sonnenuntergang entgegen. Die überhitzte Luft vibriert und flimmert um ihn herum. Da geht er hin in zerrissenen Jeans und staubigen Lederboots. Das Karohemd flattert lose.

Geht immer weg. Entfernt sich weiter und weiter.
John Wayne geht davon. Mit seiner Winchester über der Schulter.

Oder war es eine Gitarre? Oder gar eine Kamera mit einem riesigen Objektiv?

Es passt alles zusammen. Ein Puzzleteil fügt sich zum anderen.

Vielleicht halluziniere ich, weil die Hitze mein Hirn kocht und die gnadenlose Sonne den letzten Tropfen Wasser verschlungen hat.

Aber auch die Sinnestäuschung geht immer weg in Richtung Horizont.

Nur die Musik von Calexico bleibt.




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