Frau Vro wünscht sich Regenwetter.

Oh ja, bitte! Biiiitttteeeeeee! Lass es regnen. Lass es in Kübeln runterschütten. Schick kräftigen Wind, der mir das kalte Nass heftig ins Gesicht klatscht. Keinen lauen Sommerregen. Sondern einen grauslich kalten Frühlingsregen. Einen, der waagrecht daherkommt. Wo einem der Wind jeden Regenschirm umdreht und fort bläst. Ein Wetter, das jegliche Ambition, draußen spielen und toben zu wollen, ad absurdum führt.
Genau! So oder so ähnlich wünscht sich Frau Vro das manchmal. Wenn nämlich die Tage endlich länger werden und die Frühlingssonne so nett und warm herein lacht, dann fällt es dem kleinen Ableger zunehmend schwerer, dass er sich auf seine Hausübungen konzentriert.
Dann braucht er nach der Schule eine Pause und nach dem Mittagessen noch eine. Dann will er vor der Hausübung noch raus in den Garten, weil es ja später womöglich empfindlich kühl wird. Weil die Nachbarskinder nur jetzt draußen spielen und später vielleicht nicht mehr.
Und weil… und weil… und weil…
Jegliche Argumentation mütterlicherseits wird widerlegt und diskutiert.
Oh bitte! Ohne diese Diskussionen könnte er längst fertig sein…
Bitte! Ich will einen Regenschütter, der ihn stante pede wieder herein jagt.
Doch dann muss er die Aufgaben ja noch in Portiönchen unterteilen.
Weil alles auf einmal erledigen?
Nein. Das ist völlig unmöglich.
Plötzlich plagt ihn schrecklicher Durst.
Mit Ach und Krach geht es weiter.
Das ist so viel!
Das ist so schwer!
Das ist alles so schrecklich!
Es wird gesungen.
Es wird herum gezappelt.
Es wird lamentiert.
Frau Vro fleht um Geduld! Mehr Geduld! Noch mehr Geduld!
Wieder ein wenig mehr geschafft.
Das Kind ist am Verhungern. Es braucht etwas zu essen. Jetzt! Sofort!
Es kann unmöglich seine Hausübung fortsetzen, so entkräftet ist es schon.
Fünfzehn Minuten sind eine schiere Ewigkeit.
Jetzt hilft nicht mal mehr Regenwetter.
Mehr Geduld könnte mich vor dem Wahnsinn retten!
Vielleicht.
Irgendwann ist dann alles erledigt.
Hausübungen sind ein Graus.
Regenwetter könnte ein bisschen helfen.
Manchmal. Manchmal auch nicht.
Zumindest wäre der Garten gegossen…
Morgen gibt es wieder zu viel Hausübung.
Wieder zu wenig Geduld.
Wieder die Nachbarskinder.
Wieder den Durst und den Hunger.
Wieder die Sonne, die in den Garten lockt.

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Ein Gedanke zu “Frau Vro wünscht sich Regenwetter.

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