China, die Tusche und ich.

Ich habe voriges Wochenende gemalt. Den ganzen Samstag und den halben Sonntag.

Mit der wunderbaren Frau Yonghui Deistler-Yi habe ich ein bisschen in die Chinesische Tuschemalerei hinein schnuppern dürfen. Kann ja nicht so anders sein als Aquarellmalerei – denkt sich die Frau Vro. Zumindest schauen die Bilder so ähnlich aus. Nach Farbe mit viel Wasser.

Ha ha, denkste. Ist nämlich ziemlich anders. Schon mal das Papier! Aus einem Blatt dickem Aquarellpapier von uns bekommen die Chinesen mit Sicherheit zehn dünne Bögen für die Tuschemalerei heraus. Oder so ungefähr! Genau so malt es sich auch darauf. Vorsichtig.

Natürlich habe ich wieder einmal nicht die richtigen Pinsel. Wieder nur minderwertige und viel zu dünne Pinsel. Also gleich mal bei ihr eingekauft. Gut, dass sie viele viele Pinsel mitgenommen hat.
Ein kleines Vermögen geht dahin.

Jetzt nenne ich mehrere original chinesische Pinsel mein Eigen. Und es malt sich toll mit ihnen. Außerdem ist noch einiges Andere in meinen Besitz übergegangen. Papier. Tusche – auch aus China. Eine Filzunterlage, auf der das Papier beim Malen liegt. Ich bin jetzt richtig gut ausgerüstet. Meister macht das aber trotzdem noch keinen aus mir.

(Eigentlich viel Aufwand dafür, dass ich zwar begeistert bin, aber nicht 100%ig sicher weiß, ob ich auch wirklich dabei bleibe.)

Mir gefällt die chinesische Tuschemalerei supergut. Wirklich! Und mir gefällt auch, dass die fertigen Werke mit Stempeln signiert werden. Dass es Yin- und Yang-Stempel gibt. Dass der Yin-Stempel den Hintergrund farbig abbildet und ursprünglich dem Namen vorbehalten war und dass der Yang-Stempel die Schrift farbig zeigt, auf dem Gedichte oder Wünsche abgebildet sind. Das finde ich wirklich schön. Eine wunderbare Tradition!

Ich mag jetzt auch so einen Stempel! Die Idee gefällt mir nämlich wirklich.

Aber ich stelle mir das eher so vor, dass ich das an mich anpasse. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich jemals ein Pinselkünstler werde. Oder dass ich die ganzen Gedanken hinter der chinesischen Malerei verstehe. Das ist uraltes Kulturgut. Aber nicht meines! Das könnte ich bestenfalls nachahmen.

Aber dieser Stempel!

Ich will schon lange einen eigenen Stempel…
Speckstein und Schnitzwerkzeug sind längst daheim.
Sogar einen Rohentwurf habe ich im Kopf.
Und warum setze ich das nicht um?

Weil wieder etwas Anderes wichtiger war.

Was ist jetzt mit der Malerei?

Ach das. Geht eh super. Locker flockig aus dem Handgelenk. No problem!
Tja, das war jetzt gelogen.
Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.
Zu viel Wasser ist schlecht. Zu wenig Wasser auch.

Zu viel Farbe ist schlecht. Zu wenig Farbe auch.
Zu steiler Pinsel ist schlecht. Zu flacher Pinsel auch.
Zu viel Druck auf den Pinsel ist schlecht. Zu wenig Druck auch.

Stundenlanges Üben. Der Kollege neben mir fragt sarkastisch, ob es auch Stempel mit der Inschrift „Ich bin frustriert!“ gibt. Ich entgegne grinsend, das sei wohl die falsche Botschaft.


Wir malen Bambusstiele.

Und Bambusblätter.

Und nochmal Bambus.

Und wieder Bambus.

Und… na, ihr dürft raten!

Genau!

Noch einmal Bambus.

Bambus lässt sich im Garten kaum bändigen.

Malen lässt er sich auch nicht.

Irgendwann dann aber doch.

Zumindest so là là.

Am späten Nachmittag dann endlich etwas Neues – Chrysanthemen.

Das geht ja fast sofort. Zumindest die Blüte.
Die Blätter wollen nicht. Gar nicht wollen die.
Der erste Tag ist vorbei. Ich fahre nach Hause und lasse sickern.

Den Seinen gibt’s der Herr ja bekanntlich im Schlaf.

Der nächste Tag. Wieder von vorne.

Der Herr hat’s mir nicht im Schlaf gegeben. Warum wohl?

Wieder Blumen. Päonien. Pfingstrosen zu gut deutsch.
Den Pinsel locker halten.
Wooshen und wedeln – würde es zumindest bei Harry Potter heißen.

Im Endeffekt habe ich vier Bilder, die vor meinem strengen Auge grade so ihre Daseinsberechtigung haben. Der Kritiker in mir weiß trotzdem überall etwas zu meckern.

Vielleicht wird es mit der Endausfertigung ja richtig gut.
Aufspannen. Einen Rahmen aussuchen.

Dann bleibt nur noch:
Üben. Üben. Üben.

Noch eins: Am Nachmittag habe ich dann meinen Stempelentwurf gezeichnet. Und das Schnitzwerkzeug hervorgeholt. Nur wo ist der verdammte Speckstein? Den hatte ich doch neulich noch in der Hand. Er ist nicht zu finden.
Ich bin sauer. Jetzt war ich endlich soweit, dass ich loslege. Wieder nix! Hmpf.

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2 Gedanken zu “China, die Tusche und ich.

  1. Pingback: China, die Tusche und immer noch ich. | vro jongliert

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