Rosalind?

Seit ein paar Tagen ist herrlichstes Frühlingswetter. Es ist sonnig. Den ganzen Tag schon.
Ein paar Regentropfen sind gefallen, aber die haben keinen verschrecken können.
Und es ist windig. Sehr windig. Es föhnt die Wäsche an der Leine regelrecht trocken.
Heinzelmädchen Rosalind freut sich. Endlich im Garten werkeln. In der Erde herum graben. Erste Pflanzen setzen. Den Gemüsegarten vorbereiten. Die Gartenbänke herausstellen.
Einfach etwas tun.
Auch wenn es jetzt erst Ende März ist.
Auch wenn es womöglich noch einmal frieren wird.
Auch wenn es eventuell noch einmal schneien könnte.
Rosalind hat meine Gartensaison eröffnet! Ja genau, meine Gartensaison. Das kleine fleissige Heinzelmädchen weiß nämlich nicht, dass ich um es weiß. Und das ist gut so.
Wenn Rosalind das rausfindet, dann ist sie nämlich weg. Weiß ja eh jeder, dass man Heinzelmädchen wie Heinzelmännchen nicht enttarnen darf.
Nach getaner Arbeit sitzt sie auf der Schaukel und schaukelt sanft hin und her. Dabei betrachtet sie den Garten und plant neue Beete, versetzt gedanklich Trittsteine und schlägt Stützpfähle ein. Ich bin sicher, sie trinkt ein kleines Bier, wenn sie da so schaukelt. (Jedenfalls fehlt schon wieder eins im Keller.)

Der Kirschbaum ist gepflanzt. Sie hat nochmal ordentlich nachgegossen. Ich war ihr wohl nicht sorgfältig genug.

Die neuen Erdbeerpflanzen hat sie auch nochmal festgestampft mit ihren kleinen Füssen. Manchmal ist sie ziemlich pingelig.

Ein wenig ungehalten ist mein Heinzelmädchen. Weil ich im Herbst den Garten nie fertig aufräume. Sobald es grau und neblig wird, verkrieche ich mich lieber mit einem Buch auf die Couch. Und Rosalind verpasst die beste Zeit dann ebenfalls meistens. Schon ist der Herbst vorbei und sie ist letztlich genausowenig wie ich mit der Arbeit fertig geworden. Ist ja tröstlich, dass es ihr auch nicht besser geht wie mir. Spricht aber nicht für ein Heinzelmädchen, das möchte ich da schon anmerken.

Also hat sie heute ein bisschen vor sich hingebrummt und erst mal alles an alten vertrockneten Stängeln und Stauden abgeschnitten und auf den Komposthaufen geschleppt. Ordentlich aufgeräumt. Pfuh, das war ganz schön viel Arbeit!
Außerdem hat sie die Gemüsebeete vorbereitet. Ganz feinkrümelig und eben ist die Erde nun. Ich sehe ihrs an der Nasenspitze an, dass sie schon ganz neugierig ist, was da alles wachsen wird. Ob sie eher aussät oder ich?
Die Gartenbänke hat sie nicht ganz allein raus geschleppt, da habe ich geholfen. So sehe ich das. Rosalind sieht das anders: In ihren Augen habe ich geschleppt und sie hat mitgeholfen. Aber immer so, dass es so aussah, als hätte ich das allein gemacht. Hehe. Lustiges Katz- und Mausspiel ist das.
Jetzt hat sie sich unter den Hollerbusch zurückgezogen, dort hat sie ihr Zuhause. Genau gesehen habe ich es noch nicht. Ihr wisst schon, die Sache mit dem Entdecken und Weiterziehen. Ich mag Rosalind nämlich. Wäre traurig, wenn das Heinzelmädchen fort ginge. Auf jeden Fall sieht ihr Zuhause ein wenig aus wie eine Hobbithöhle. Zumindest was man von außen so sieht.
Vor den Nachbarskatzen hat sich Rosalind lange gefürchtet. Da war sie oft tagelang nicht zu sehen. Doch eines Tages hat sie einer in einem Anfall von fürchterlichem Zorn mit ihrem Spaten eins über die Nase gezogen. Jetzt ist Ruhe. Die Miezen machen einen großen Bogen um sie.
Morgen bin ich den ganzen Tag nicht daheim. Was sie da wohl so treibt? Fast fürchte ich, dass sie sich einmal einen schönen freien Tag macht. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass sie nicht gerade ein Paradebeispiel eines Heinzelmädchens ist.
Überhaupt bin ich mir mit Rosalind nicht so sicher. 
Warum bin ich abends so elendiglich müde, wenn ich da ein Heinzelmädchen daheim habe, das mir hilft und mich unterstützt?
Bügeln scheint sie nicht zu mögen. Das geht immer nur sehr schleppend voran.
Vielleicht habe ich das aber auch nur gewunschen und geträumt. 
Wunschtraum?
Rosalind?
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