Ferien

Der erste freie Tag. Keine Schule. Keine Arbeit. Juchuu!

Ich kann endlich ausschlafen. Genüsslich räkle ich mich im Bett. Ich bin von Vogelgezwitscher aufgewacht. Bin ausgeschlafen und gut gelaunt. Kaffeeduft steigt mir in die Nase. Meine Kinder haben Frühstück gemacht und mich lange schlafen lassen. Die Morgensonne scheint durchs Fenster und kitzelt mich mit ihren warmen Strahlen. Ich strecke mich lange durch und dreh mich noch einmal um. Mein Mann schläft ebenfalls noch tief und fest. Die Katze liegt mir zu Füssen und lässt es sich gut gehen. Noch ein paar Minuten länger faul sein. Das Leben ist schön.

Doch dann der Filmriss!

Mein jüngerer Sohn steht um Sechs neben dem Bett und fragt, ob er den Fernseher aufdrehen darf. Ich schrecke jäh aus einem schönen Traum hoch. Verdammt, jetzt kriege ich wieder nichts vom Ende mit. Habe ich den Porsche jetzt gewonnen? Hat mich der umwerfend aussehende Mann jetzt geküsst? Ich werde es nie erfahren. Weil mich ja der Sohn wegen dem Fernseher fragen muss. Mist, ich war so nah dran. So nah!! (Das letzte Traumbild mit maximal zehn Zentimeter Abstand zwischen ihm und mir baut sich vor meinem geistigen Auge auf und zerrinnt.)

„Ja ja, geh nur!“, murmle ich, will ihn schnellstmöglich loswerden, vielleicht kann ich noch mal einschlafen. Vielleicht träume ich ja weiter. Ich hätte dem Kind alles erlaubt, wenn es mich nur wieder in Ruhe lässt.

Nein, vorbei. Ich kann nicht wieder einschlafen. Meine gute Laune bekommt einen Dämpfer. Wegen einem ungeküssten Mann und einem eventuell (doch nicht) gewonnenen Porsche. Ich dreh mich grummelnd um. Ich mag noch nicht aufstehen. Es ist zu früh. Definitiv!

Da steht er schon wieder da. Ihm ist fad. Im Fernsehen läuft nix. Er will seinen Kakao.
„Dann mach ihn dir doch!“, knurre ich.
„Mir ist fad!“

Hmpf! Kindliche Pentranz ist eine üble Sache. Ganz übel. Ich schäle mich aus der Bettdecke und quäle mich in die Höhe. Ich fühle mich wie überfahren und schaue auch so aus. Besser ich meide den Blick in den Spiegel.

Das Vogelgezwitscher das mich weckt, hatte ich mir anders vorgestellt. Es ist zu früh!

Von Sonne keine Spur. Grau in grau präsentiert sich der Morgen. Sogar ein bisschen was von diesem weißen Schneezeugs fällt vom Himmel. Das braucht jetzt bitte keiner mehr! Aber ich werde in diesen Belangen wie üblich nicht gefragt.

Müde und verschlafen tapse ich nach unten. Liegen bleiben ist nicht mehr. Aufs Klo muss ich auch. Wo ist das Frühstück? Wo bleibt der Kaffee? Nichts. Nada. Zu früh ist es auch!

Der ältere Sohn sitzt mit den elektronischen Suchtgeräten auf der Couch und ist nur bedingt ansprechbar. Dem jüngeren Sohn ist zwar nicht mehr fad, aber er beklagt sich immer noch, weil ich ihm nicht gleich sofort und auf der Stelle unmittelbar nach seiner Forderung diensteifrigst seinen Kakao gemacht habe.
„Hm hm“, denke ich mir nur, „das Leben ist hart und ungerecht.“

Auf jeden Fall sind sie schon im Ferienmodus angelangt. Dazu gehört natürlich die Rundumbetreuung einer Animatrix. Besser bekannt als Mama. Das finden jedenfalls die Ableger. Die Animatrix, ähem nein, die Mama, also ich… Ich sehe das naturgegeben anders.

Ich spritz mir ein wenig Wasser ins Gesicht in der Hoffnung dass ich endlich wacher werde. Fehlanzeige. Nass – ja, wach – nein.
Es ist mitten in der Nacht. Oder so. Okay, es ist jetzt halb Sieben. Ich mache mir einen Kaffee.

Die Katze rennt mir vor die Füße, streift um meine Beine, flauschig, warm, laut und fordernd maunzend. Und will ihr Futter haben. He, wo kommt denn die Katze her? Upsi, wir haben ja gar keine Katze. Es ist zu früh! Ganz eindeutig!

Ich nehme mir mein Häferl Kaffee und verziehe mich in den Wintergarten. Leise. Dass mich keiner hört.

Gestern Abend hatte ich eine ganze Liste an Dingen, die ich heute erledigen will. Die Liste habe ich immer noch. Nur die Motivation ist futsch. Gestern waren wir uns einig, was wir drei heute machen: die Motivation, die Energie und ich!

Jetzt sehe ich die Motivation draußen im Minikleid mit einem Cocktail in der Hand vorbeistöckeln. Dieses Miststück! Verzieht sich, wenn es nach Arbeit riecht. Die Energie steht auch bei ihr. Die beiden machen Party. Ich grinse boshaft. Es ist kalt draußen. Die beiden werden bald frieren. Rote Nasen haben sie schon. Ich lasse sie noch ein bisserl, bevor ich sie reinstampere.

Dann schaue ich in den grauen Morgen hinaus und beobachte die Krähen. Eigentlich kann der Tag nur noch besser werden…

 

 
 
 
 
 



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